Kalifornien: Korruptionsskandale wie im Blockbuster, Morgenroutine wie auf einer unbewohnten Insel

Kalifornien: Korruptionsskandale wie im Blockbuster, Morgenroutine wie auf einer unbewohnten Insel

Der Name „Resnicks“ hat für viele Bewohner Kaliforniens eine große Bedeutung. Nachdem der Staat 75 Mio. Dollar in den Aufbau eines „Kern Water Bank“ investiert hatte, um das Problem der Wasserknappheit zu entschärfen, erhielt die wohlhabende Unternehmerfamilie die Möglichkeit einer praktisch uneingeschränkten Verwendung von verfügbaren Wassermengen.

1994 wurde das „Monterey Amendment“ verabschiedet, welches die Speicherung des überflüssigen Wassers für die spätere Verwendung in den Dürreperioden erlaubte. Allerdings verliefen die Verhandlungen nicht so transparent, wie es sich die breite Öffentlichkeit wünschte: Durch die „backroom deals“ erhielt die Unternehmerfamilie Kontrollrechte von über 60 % des Kern Water Bank. Das Wasser, das Resnicks gemäß langjährigen Verträgen zustand, konnte in großen Mengen in dem Water Bank gespeichert werden. Unternehmer haben diesen Umstand ausgenutzt, um mehr als 30 Mio. Dollar Gewinn zu erwirtschaften: Sie haben Wasser vom Staat erworben, eine Zeit lang in dem Water Bank gespeichert, und wieder an den Staat verkauft. 

Außerdem hatten sie natürlich eine sichere Wasserquelle in der Hand und haben damit die erste und wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ihres landwirtschaftlichen Imperiums geschaffen: Freier Zugang zum Wasser.

Das Unternehmen „Wonderful Company“, der weltweit größte Produzente von Pistazien und Mandeln, verbraucht mehr Wasser, als jedes andere Unternehmen des Landes. Alleine für den Anbau von Zitrusfrüchten wird mehr Wasser verwendet, als von dem ganzen San Francisco. Gleichzeitig erwirtschaften viele Landwirte jahrelang keine Ernte, weil sie sich nur auf das Regen- und Schneestormwasser verlassen können und den Dürren komplett ausgeliefert sind.

Allerdings ist zu beachten, dass Wasser in der Landwirtschaft oft nur semieffizient verwendet wird: Durch riesige künstliche Anlagen wird das Wasser an die Orte gebracht, an die es sonst nicht kommen würde. Daher ist es mehr als sinnvoll zu hinterfragen, ob die Tatsache, dass 90% der Tomaten und 74 % des amerikanischen Salats in Kalifornien produziert werden, auch vertretbar ist. Durch einen so starken Fokus auf Landwirtschaft verbleibt nur ein sehr geringer Anteil des Wassers für die alltäglichen Bedürfnisse der Haushalte – im Land der Kinofilme sind Wasserleitungen leer, und Menschen sind gezwungen, morgens bei den Nachbarn zu duschen.

Ferner fehlt auch eine umfassende staatliche Wasserinfrastruktur, weshalb viele Haushalte auf die Errichtung eines eigenen Brunnens angewiesen sind, welche in der Dürre austrocknen. Dieses Problem wurde während der großen Dürre (2011 – 2017) deutlich spürbar, als Niederschläge unterdurchschnittlich gering waren und gleichzeitig die Bevölkerung stark angestiegen ist.

Korruption ist ohne Zweifel ein Aspekt, der die Lösung des Wasserproblems erschwert und verlangsamt: Denken wir nur an die Absichten der Regierung, die dem „Monterey Amendment“ und der Schaffung des Kern Water Banks“ ursprünglich zugrundelagen. Trotzdem muss man auch generelle Wetterlage im Land und oft verschwenderischen Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft im Auge behalten. Lösung des Problems muss die Beseitigung der Korruption beinhalten, darf sich allerdings nicht darauf beschränken. Die Maßnahmen zur Reduktion von Wasserverschwendung, Ausbau des kommunalen Wasserversorgungssystems, günstigere Entsalzungsanlagen könnten die ersten Schritte in die richtige Richtung sein.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen