Äthiopien – Verantwortungslose Landwirte?

Äthiopien – Verantwortungslose Landwirte?

Zwischenstand der Arbeitsgruppe Äthiopien

Die Bevölkerung Äthiopiens ist zum Überleben auf die Landwirtschaft angewiesen: 85% der Menschen leben auf dem Land, 70% der Bevölkerung sind in der landwirtschaftlichen Produktion beschäftigt. Unter anderem beschäftigt man sich mit der Viehzucht und dem Kaffee- und Getreideanbau, was einen sehr hohen Wasserverbrauch induziert. Kombiniert mit den ausbleibenden Regenfällen und extremen Dürren muss dies zwangsläufig zur Wasserübernutzung führen. Also sind die äthiopischen Bauern selber „ihrer eigenen Zukunft Schmied“ und vernichten durch ihr verantwortungsloses Handeln die knappen Wasserressourcen – oder doch nicht?

Neben der Tatsache, dass der Großteil der Bevölkerung auf dem Land lebt, ist zu erwähnen, dass landwirtschaftliche Produkte 37% des BIP ausmachen. Das bedeutet, dass die Existenz das gesamten Staates teilweise davon abhängt, dass diese Produkte erzeugt und exportiert werden. Des Weiteren erlebt Äthiopien einen sehr starken Bevölkerungszuwachs aufgrund dessen, dass es in letzten Jahren eine sehr hohe Anzahl an Flüchtlingen aufnimmt. Um der hohen Bevölkerungswachstumsrate nachzukommen, wurden große Waldflächen gerodet, was zu Bodenerosion und Verlust der Bodenfruchtbarkeit führte.

Aus ökonomischer Sicht ist Äthiopien aufgrund des extrem geringen BIP (800 Dollar pro Kopf) eines der ärmsten Länder weltweit. Außerdem ist für ausländische Investoren der Zugang zu den äthiopischen Landflächen sehr einfach: Für deren Nutzung müssen sie nur wenige Dollar pro Hektar jährlich und fast keine Steuern oder Zölle bezahlen. Deswegen kommt es im Land zu Zwangsenteignungen des Landes wegen.

Der Staat ist für die grundlegende Versorgung der Bevölkerung verantwortlich, allerdings leiden die Bewohner des Landes unter der uneingeschränkten Macht der regierenden Partei und der stark ausgeprägten Korruption. Da die Regierung ihren Hauptfokus auf das Wirtschaftswachstum legt, werden die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung vernachlässigt und die Wasserinfrastruktur nicht instand gehalten.

Viele Mädchen und Frauen leiden darunter. Mädchen werden aus den Schulen genommen, um Familien bei der „Wasserselbstversorgung“ zu unterstützen, was für sie nicht nur fehlende Ausbildung, sondern in Zukunft auch frühere Heirat und finanzielle Abhängigkeit bedeuten kann.

Aus dieser knappen Darstellung sollte ersichtlich sein, welche Rolle an derzeitiger Misslage die Regierung und die starke Exportabhängigkeit Äthiopiens spielen. Kleinbauern in ländlichen Regionen verwenden nicht die neuesten Technologien und fokussieren sich auf Erzeugung wasserintensiver Produkte, was für sie allerdings die einzige Möglichkeit zu überleben darstellt.

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