Den Preis zahlen andere: Wie unser Gemüsekonsum die Desertifikation in Spanien vorantreibt

Den Preis zahlen andere: Wie unser Gemüsekonsum die Desertifikation in Spanien vorantreibt

Sommers wie winters bieten unsere Supermärkte Gurken, Zucchini, Paprika und anderes Gemüse aus Spanien an. Was diese Feldfrüchte gemeinsam haben: Sie brauchen Sonne und viel Wasser, um zu wachsen. Und ihr exzessiver Anbau lässt seit Jahren in Andalusien den Grundwasserspiegel absinken.

Die andalusische Stadt Almeria, gelegen in einer der trockensten Regionen Europas, wird auch „Plastikmeer“ genannt- denn sie ist umgeben von insgesamt 30.000 Hektar bedeckenden Gewächshäusern, in denen Gemüse angebaut wird. Wegen des äußerst geringen Niederschlags in dieser Region wird zur Bewässerung Grundwasser genutzt. Doch die Grundwasservorräte werden immer knapper, auch aufgrund der anhaltenden Dürre in Andalusien in den letzten Jahren, die ein Wiederauffüllen der Grundwasserleiter einschränkt.

Die Knappheit wird weiterhin durch den Klimawandel verschärft. Der Sommer in Spanien dauert inzwischen rund fünf Wochen länger als in den Achtziger Jahren. Durch übermäßige Wasserentnahme sinken die Wasserstände in Flüssen, Feuchtgebiete gehen verloren und ehemals fruchtbare Böden werden zur Wüste. Dieser Vorgang wird Desertifikation genannt und findet in mehreren südspanischen Provinzen statt, darunter Almeria.

Angesichts sinkender Grundwasserstände setzen einige der Landwirte Almerias auf die effizientere Tröpfchen-Bewässerungsmethode, mit der Wasser gespart wird. Zudem gibt es eine Meerwasserentsalzungsanlage- das so gewonnene Wasser ist allerdings teuer und zudem klimaschädlich, da die Anlage mit fossilen Brennstoffen betrieben wird. Zudem wird die Grundwasserentnahme weiterhin von der Regierung subventioniert, sodass wenig Anreiz vorhanden ist, auf nachhaltigere Bewässerungsmethoden umzusteigen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Landwirtschaft der wichtigste Arbeitgeber der Region ist. Gleichzeitig führt dies zur Ausbeutung vieler Tagelöhner im „Plastikmeer“, die oft nicht einmal den Mindestlohn verdienen.

Dabei könnten Meerwasserentsalzungsanlagen durchaus eine Lösung der Wasserproblematik darstellen. In der heißen Region Almeria ließen sie sich problemlos mit Solarenergie betreiben. Im Forschungszentrum Plataforma Solar de Almeria werden bereits erste Prototypen getestet. Doch bis diese ausgereift sind, wird weiterhin das Grundwasser ausgenutzt.

Die Folgen sind unmittelbar sichtbar. Zwei Drittel Spaniens sind von Wüstenbildung bedroht. Die Grundwasserstände sinken und bedingt durch den Klimawandel wird der ohnehin geringe Niederschlag in den nächsten Jahrzehnten noch weiter abnehmen. Werden nicht bald Gegenmaßnahmen ergriffen, wird sich die Desertifikation nicht mehr aufhalten lassen

https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/wassermangel-almeria-100.html

https://www.derstandard.at/story/2000053017088/billiges-gemuese-aus-andalusiens-plastikmeer

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/durstiges-bio-100.html

https://www.sueddeutsche.de/wissen/spanien-landwirtschaft-wuesten-desertifikation-wasser-1.4503130

https://www.deutschlandfunk.de/die-wueste-waechst.922.de.html?dram:article_id=128573

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