Trinkwasser in Pakistan: Analysieren, Messen, Implementieren

Trinkwasser in Pakistan: Analysieren, Messen, Implementieren

Niederschlag, Oberflächengewässer, Sickerwasser, Grundwasser und Luftfeuchtigkeit – diese fünf natürlichen Quellen kommen in Frage, wenn es um die Gewinnung von Trinkwasser geht. Allerdings, wie es oft bei den eigentlich allgemeingültigen Regeln der Fall ist, variiert die praktische Umsetzbarkeit deren Nutzung extrem.

Niederschlagsgewässer bieten im privatwirtschaftlichen Bereich eine kostengünstige Möglichkeit, täglichen Wasservorrat zur Befriedigung elementarer Bedürfnisse und Feldbewässerung zu sichern. Regenwasser und sauberes Schmelzwasser werden aus den nahe gelegenen Gebirgszügen mithilfe von Staudämmen aufgefangen, die nicht nur die Effizienz dieser Methode gegenüber einfachen Zisternen und Auffangbehältern erhöhen, sondern auch eine ausgereifte Technologie darstellen, sodass sie „sauberen“ Strom als Nebenprodukt generieren können. Eine perfekte Lösung – oder?

Nein, auf den zweiten Blick sieht man auch hier Schwierigkeiten. Da die Wasserzufuhr sehr unregelmäßig und von daher kaum vorhersehbar ist, ist die Verwendung von Niederschlagsgewässern auf der industriellen Ebene nicht möglich. Für die Industrie wäre die Nutzung des Grundwassers eine passendere Lösung, weil es eine gewisse Vorhersehbarkeit bietet. Allerdings tritt hier ein weiteres Problem ans Licht: der hohe Verschmutzungsgrad. Die Qualität des Grundwassers in Pakistan ist nämlich mehr als bescheiden: Aufgrund der illegalen Müllentsorgung und einer erhöhten Arsenkonzentration scheidet ein Großteil dieses Wassers als Trinkwasserquelle aus.

Zwar gehen die Einwohner und die Industrieunternehmen oft unverantwortlich mit der knappen Ressource um, das Hauproblem stellt aber die mangelhafte Durchsetzung der existierenden Gesetzgebung dar. Die bisherigen Versuche des Supreme Court of Pakistan die Strafen für illegale Entsorgung des unaufbereiteten Mülls zu verhängen sind gescheitert. Das grundsätzliche Recht auf Wassernutzung liegt bei den Landeigentümern, daher haben die Regierungsbehörden fast keinen Einfluss darauf, was mit dem dort gewonnenen Wasser geschieht. Die daraus resultierende Wasserübernutzung versucht man einzudämmen, durch den zum Beispiel im Jahre 2017 entwickelten „Punjab Groundwater Protection, Regulation and Development Act“. In Pandschab, einer Region an der Grenze Pakistans, wurde in Zusammenarbeit mit der Regierung ein Gesetzesentwurf für das nachhaltigere Wassermanagement entwickelt. Allerdings, trotz dessen Ausarbeitung mit allen relevanten Stakeholder-Gruppen, ist die Genehmigung immer noch nicht erteilt. 

Landläufige Bevölkerung trägt deswegen die mehrfache Belastung auf ihren Schultern. Industrieunternehmen verwenden häufig Wasser in Trinkwasserqualität, Landwirte greifen auf veraltete Bewässerungsmethoden zurück, die einen hohen Ressourcenverbrauch mit sich bringen, und die Einwohner Pakistans sind gezwungen, illegale Brunnen zu bohren, um an das Trinkwasser zu kommen.

Schon heute hat man genug Ideen, Wissen und Denkanstöße, um eine Veränderung zu bewirken. Tröpfchenbewässerung und Indus-Becken statt der jahrzehntelang genutzten Bewässerungssysteme wären zum Beispiel ein Schritt in die richtige Richtung. Die Durchsetzung des Punjab Act ein weiterer. Auch mehrere andere Handlungsansätze wurden bereits genannt und entwickelt, sodass man sich sicher sein kann: Das Einzige, woran es jetzt in Pakistan mangelt, ist deren praktische Umsetzung. Als Folge wird es ja auch an Wasser nicht mangeln.

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