Wie der Anstieg des Meeresspiegels die Süßwasserversorgung gefährdet
Besonders Lockersedimente wie feine Sande werden durch den steigenden Meeresspiegel erodiert.

Wie der Anstieg des Meeresspiegels die Süßwasserversorgung gefährdet

Der Meeresspiegel steigt an. Woran liegt das? Zum am Abschmelzen des Antarktischen und Grönländischen Eisschilds. Geschätzt liegen 24,4 Millionen Kubikkilometer Süßwasser momentan als Eis gebunden vor, die schrittweise freigesetzt werden. Zum anderen vergrößert die Erwärmung der Weltmeere das Volumen des Wassers- der Meeresspiegel steigt weiter an. Verschiedene Modelle des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) gehen von einem durchschnittlichen Anstieg von 0.22 bis 0.44 m (verglichen mit dem Meeresspiegel von 1990) bis 2100 aus. Dabei handelt es sich um den geschätzten Mittelwert des Anstiegs- regional kann dieser um ± 0.15 m variieren.

Was bedeutet dies für uns Menschen? Rekonstruktionen des Meeresspiegels zu erdgeschichtlichen Zeiten, als die Pole eisfrei waren, weisen erhebliche Unterschiede zur heutigen Geographie der Kontinente auf. Küsten gehören zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde- Millionen von Menschen werden durch Landverlust und verstärkte Erosion der Küste ihre Lebensgrundlage und Heimat verlieren. Zudem können küstennahe Süßwasseraquifere durch Salzwasser kontaminiert werden und nicht mehr als Wasserquelle zur Verfügung stehen.

Weltweit sind nur etwa 2,5% der Wasservorräte Süßwasser- das restliche Wasser ist ohne eine aufwendige Aufbereitung nicht trinkbar. Süß- und Salzwasser treffen in Küstenregionen natürlicherweise aufeinander. Die höhere Dichte des Salzwassers sorgt für gewöhnlich dafür, dass keine Vermischung stattfindet. Durch den Anstieg des Meeresspiegels ist dieses Gleichgewicht jedoch bedroht: Es kommt zu Salzwasserintrusionen, die küstennahes Trinkwasser unbrauchbar machen können. Dieser Effekt wird durch eine nichtnachhaltige, übermäßige Entnahme von Süßwasser verstärkt, da mehr Salzwasser nachfließt und das Gleichgewicht von Süß- und Salzwasser gestört wird.

In zahlreichen an der Küste gelegenen Großstädten führt übermäßiger Wasserverbrauch bereits jetzt zur Versalzung von Süßwasservorräten (z.B. Shanghai in China, Sao Paulo in Brasilien oder das pakistanische Karatschi).

Bangladesch und der Klimawandel

Der asiatische Staat Bangladesch ist durch den Meeresspiegelanstieg besonders gefährdet. Einerseits aufgrund drohender Überflutungen, welche einen Teil der dicht besiedelten Küsten unbewohnbar und Millionen von Menschen zu Klimaflüchtlingen machen würde. Die Bundeszentrale für politische Bildung schätzt, dass bis 2050 etwa 26 Millionen Einwohner Bangladeschs durch den Meeresspiegelanstieg ihre Heimat verlassen müssen.

Weiterhin würde die mit dem Meeresspiegelanstieg einhergehende Versalzung noch weiter ins Landesinnere vordringen und Landwirtschaft sowie Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gefährden. Mit der Landwirtschaft ist gleichzeitig auch die Existenzgrundlage von Millionen von Menschen in Bangladesch bedroht. Das „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) warnt, dass das Salzwasser bis in die Landeshauptstadt Dhaka vordringen könnte- eine Katastrophe für die momentan rund 9 Millionen Einwohner.

Eine erste Maßnahme gegen Salzwasserintrusionen wäre eine sorgfältige Erfassung grundlegender hydrogeologischer Daten, etwa die Größe der küstennahen Grundwasserleiter sowie eine Abschätzung des lokalen Süßwasserverbrauchs. Doch die dafür notwendigen geophysikalischen Messungen sind teuer und gerade für Entwicklungsländer, die zumeist besonders stark von der globalen Erwärmung betroffen sind, oft nicht bezahlbar. Salzwasserintrusionen stellen somit eine unterschätzte Gefahr dar, die in den nächsten Jahren intensiv erforscht werden müsste, um dem drohenden und umfassenden Verlust von Süßwasservorräten entgegenzuwirken.

Quellen:

Bundeszentrale für politische Bildung (2015): http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/laenderprofile/215770/klimawandel-und-binnenmigration-in-bangladesch

Chemie.de (n.d.): https://www.chemie.de/lexikon/Wasser.html#Wasser_in_den_Geowissenschaften

IPCC (2007): https://archive.ipcc.ch/publications_and_data/ar4/wg1/en/faq-5-1.html

Zeit Online ( 2014): https://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/03/trinkwasser-salzwasser-intrusion

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